Ein Mitarbeiter eines Autozulieferers kontrolliert die Produktion der Zylinderkopfdichtungen (Symbolbild).

Stellenabbau im Jahr 2024 19.000 Auto-Jobs weggefallen

Stand: 06.03.2025 10:24 Uhr

In der deutschen Autoindustrie sind einer Studie zufolge im vergangenen Jahr rund 19.000 Stellen gestrichen worden. Das sei möglicherweise erst der Anfang, warnt das Beratungsunternehmen EY.

Die anhaltende Krise in der Autobranche hinterlässt in Deutschland deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Im vergangenen Jahr gingen etwa 19.000 Stellen verloren, wie aus einer Studie des Beratungsunternehmens EY hervorgeht.

Demnach waren Ende 2024 noch etwas mehr als 761.000 Menschen in der deutschen Autoindustrie beschäftigt. Das ist der niedrigste Stand seit 2013. Ein Jahr zuvor seien es noch rund 780.000 gewesen. 2018 umfasste die Branche noch 834.000 Stellen. Für die Studie hat EY nach eigenen Angaben aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts und der Agentur für Arbeit analysiert. Es seien in Deutschland tätige Betriebe ab einer Größe von 50 Mitarbeitern untersucht worden.

"Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer massiven und umfassenden Krise", erklärt der EY-Autoexperte Constantin Gall. Die Probleme reichten von einer schwachen Nachfrage aufgrund der anhaltenden Konjunkturkrise über zu hohe Kosten bis hin zum teuren Nebeneinander von Verbrennern und Elektroautos. Insbesondere die Investitionen in Elektromobilität hätten hohe Summen verschlungen, ohne dass sich die gewünschten Markterfolge eingestellt hätten. Hinzu komme der wegbrechende chinesische Markt.

Konzerne müssen Kosten senken

Nach Einschätzung der EY-Experten haben es die Hersteller gerade mit einer Vielzahl an Herausforderungen zu tun, und nur einige dieser Probleme könnten sie aus eigener Kraft lösen. "Daher werden wir in diesem Jahr sehen, dass die Autokonzerne massiv an der Kostenschraube drehen werden, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Das wird unweigerlich zu deutlichen Einschnitten bei der Beschäftigung führen", sagte Gall. Der verhältnismäßig geringe Stellenabbau im vergangenen Jahr sei nur der Anfang eines schmerzhaften, aber unabwendbaren Schrumpfungsprozesses.

Produktionsverlagerungen in größerem Ausmaß in die USA oder nach China seien angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen durchaus wahrscheinlich. "Das würde den Stellenabbau hierzulande nochmals deutlich beschleunigen", sagte Branchenexperte Gall. In den Unternehmen seien die Probleme aber inzwischen klar erkannt worden. Insofern bestehe durchaus Hoffnung, dass die Autohersteller mittelfristig wieder höhere Margen erzielen könnten. Mit Kostensenkungsmaßnahmen sei es allerdings nicht getan.

"Für viele Zulieferer wird die Luft immer dünner"

Mit Blick auf die zuletzt sehr schwache Entwicklung der Zulieferer rechnete der Experte mit einem weiteren kräftigen Stellenabbau. "Für viele Zulieferer wird die Luft immer dünner, gerade der stockende Hochlauf der Elektromobilität belastet die Marge erheblich", so Gall.

Die Umsätze der Autoindustrie in Deutschland schrumpften der Studie zufolge im vergangenen Jahr um fünf Prozent, nachdem sie in den drei Jahren zuvor stets gewachsen waren. 2024 lag der Umsatz demnach bei 536 Milliarden Euro. Zuletzt haben zahlreiche bekannte Hersteller und Zulieferer aus Deutschland Sparprogramme angekündigt. Zigtausende Stellen sollen in der Summe in den nächsten Jahren wegfallen - sei es bei Herstellern wie Mercedes-Benz, Porsche, der Volkswagen-Kernmarke VW oder bei Zulieferern wie Bosch, ZF, Schaeffler oder Continental.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. Dezember 2024 um 22:15 Uhr.