Steve Witkoff
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Lage im Nahen Osten ++ US-Beauftragter Witkoff plant Nahost-Reise ++

Stand: 24.02.2025 02:53 Uhr

Nach der Ankündigung Israels, die Freilassung von Palästinensern zu verschieben, wollen die USA über eine Verlängerung der ersten Phase der Waffenruhe verhandeln. Die Hamas warnt vor deren Scheitern. Die Entwicklungen vom Sonntag zum Nachlesen.

Die wichtigsten Entwicklungen:

23.02.2025 • 21:40 Uhr

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Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, lässt die Rückkehr der Palästinenser in den Gazastreifen im Zusammenhang mit den umstrittenen Umsiedlungsplänen von US-Präsident Donald Trump offen. Der Teufel stecke im Detail, sagte Witkoff im US-Fernsehen auf eine entsprechende Nachfrage. "Ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand ein Problem mit der Rückkehr von Menschen hat." Er betonte erneut, dass der Wiederaufbau des zerstörten Küstenstreifens mehr als 15 Jahre dauern werde. Bisherige Annahmen von etwa fünf Jahren seien fehlgeleitet. 

Der von Israel vor fünf Monaten getötete Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah ist in einem Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut beigesetzt worden. Das bestätigte die Schiiten-Miliz der Nachrichtenagentur dpa. Nach einer Zeremonie in Libanons größtem Stadion wurde der Sarg im Rahmen einer Prozession an seine finale Ruhestätte gebracht. Auf Live-Aufnahmen des Hisbollah-TV-Senders Al-Manar war zu sehen, wie der Sarg dort durch eine Menschenmenge getragen wurde. Das Begräbnis fand letztlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, wie örtliche Medien berichteten. 

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat der militant-islamistischen Hamas mit einer Wiederaufnahme der Angriffe auf den Gazastreifen gedroht. "Wir sind darauf vorbereitet, die Kämpfe jederzeit wieder aufzunehmen, unsere Einsatzpläne sind fertig", sagte Netanjahu bei einer Zeremonie für Armee-Offiziere in der Stadt Cholon. Seit dem 19. Januar gilt eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Allerdings werfen sich beide Seiten eine Gefährdung der Feuerpause vor.

Israel will keine militärische Präsenz der neuen Machthaber in Syrien im Süden des Landes tolerieren. "Wir werden nicht zulassen, dass Kräfte der HTS oder der neuen syrischen Armee in das Gebiet südlich von Damaskus eindringen", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einer Veranstaltung des Militärs mit Blick auf die Miliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS), deren ehemaliger Chef Ahmed al-Scharaa der neue Übergangspräsident des Landes ist. "Wir fordern die vollständige Entmilitarisierung des südlichen Syriens, in den Provinzen Quneitra, Daraa und Sweida", so Netanjahu. Zudem werde eine Bedrohung der Drusen im Süden Syriens nicht geduldet. Die Drusen bilden in Syrien und in Israel eine Minderheit.

Israel hatte im Zuge des Sturzes von Präsident Baschar al-Assad eine von den Vereinten Nationen überwachte entmilitarisierte Zone in Syrien besetzt. Die neue Regierung in Syrien hat Israel aufgefordert, seine Streitkräfte abzuziehen. Die Vereinten Nationen sehen in Israels Einmarsch in syrisches Gebiet einen Verstoß gegen internationale Vereinbarungen und haben ebenfalls den Abzug der Truppen gefordert.

Karte: Syrien mit Pufferzone zwischen den Golanhöhen und Syrien

Die sechs am Samstag von der islamistischen Hamas freigelassenen Israelis wurden in der Gefangenschaft nach Angaben ihrer Angehörigen gequält und misshandelt. Vier der Freigelassenen - Tal Schoham, Omer Schem-Tov, Omer Wenkert und Elija Cohen - waren seit ihrer Entführung am 7. Oktober 2023 mehr als 500 Tage im Gazastreifen festgehalten worden. Einige von ihnen seien an Händen und Füßen gefesselt und teilweise angekettet gewesen, hätten Hunger gelitten und zum Teil allein in feuchten Tunneln in völliger Dunkelheit über Monate ausharren müssen, berichtete die Zeitung Times of Israel unter Berufung auf die Familien. 

Der Nahost-Beauftragte von Präsident Donald Trump hat erklärt, die USA erwarteten, dass die zweite Phase des Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas fortgesetzt werde.

Steve Witkoff äußerte sich in einem CNN-Interview zu Israels Entscheidung, die Freilassung von palästinensischen Gefangenen und Häftlingen zu verschieben. "Wir müssen eine Verlängerung von Phase Eins erreichen", sagte Witkoff. "Ich werde diese Woche, wahrscheinlich am Mittwoch, in die Region reisen, um darüber zu verhandeln."

Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas hat Israel vorgeworfen, mit der Verzögerung der Freilassung palästinensischer Häftlinge die Waffenruhe zu gefährden. Israel setze durch sein Handeln "das gesamte Abkommen großer Gefahr" aus, teilte der hochrangige Hamas-Vertreter Bassem Naim der Nachrichtenagentur AFP mit.

Naim rief die Vermittler in dem Konflikt, "insbesondere die USA", dazu auf, Israel dazu zu drängen, "das Abkommen so umzusetzen, wie es ist".

Zehntausende Anhänger der Hisbollah-Miliz im Libanon haben sich südlich von Beirut zur Trauerfeier für den getöteten Anführer Hassan Nasrallah versammelt. In und vor einem Stadion in einem südlichen Vorort der Hauptstadt warteten Zehntausende, wie Reporterinnen der Deutschen Presse-Agentur berichteten.

Viele reisten aus dem Süden und Osten des Landes an, wo die schiitische Organisation viele Unterstützer hat. Die Menschen waren schwarz gekleidet und schwenkten die gelben Flaggen der Hisbollah.

"Die Anteilnahme ist enorm",Moritz Behrend, ARD Kairo, zzt. Beirut, zur Trauerfeier für Hamas-Anführer Nasrallah

tagesschau24, 23.02.2025 14:00 Uhr

Die israelische Armee hat die Ausweitung ihres Einsatzes im Westjordanland angekündigt und eine Panzereinheit in die Stadt Dschenin verlegt. Die israelischen Streitkräfte, der Inlandsgeheimdienst Schin Bet und die Grenzpolizei führten ihren "Anti-Terror-Einsatz" im Westjordanland fort und weiteten "offensive Aktivitäten in dem Gebiet aus", teilte die Armee mit.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat nach eigenen Angaben das Militär angewiesen, sich darauf vorzubereiten, in einigen der städtischen Flüchtlingslager im besetzten Westjordanland "für das kommende Jahr" zu bleiben.

Katz sagte, dass etwa 40.000 Palästinenser aus drei Lagern im nördlichen Westjordanland vertrieben worden seien. Er sagte, das Militär solle sich auf einen "längeren Aufenthalt" in den Lagern vorbereiten und "die Rückkehr der Bewohner nicht zulassen".

Fast fünf Monate ist es her, dass Israels Armee Hisbollah-Chef Nasrallah getötet hat. Heute findet in einem Stadion in Beirut die Trauerfeier statt. Erwartet wird eine Zeremonie, mit der die Hisbollah ihre Macht demonstrieren will.

Die Hamas verurteilt die Entscheidung Israels, die im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Freilassung palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen aufzuschieben. Die von Israel zur Begründung vorgebrachte Kritik am Prozedere von Geiselübergaben sei unberechtigt, erklärt ein Sprecher des Hamas-Politbüros.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nutze dies nur als einen Vorwand, damit sich seine Regierung nicht an die Abmachungen zur Feuerpause halten müsse. Netanjahu hatte mitgeteilt, die palästinensischen Gefangenen würden erst entlassen, wenn die Freilassung der nächsten Geiseln ohne "demütigende Zeremonien" sichergestellt sei.

Am Samstag hatte die Hamas die Übergabe von Geiseln erneut in einer Art inszeniert, die in der Vergangenheit auch von den UN kritisiert worden war. Die Hamas hält dem entgegen, mit dem Prozedere werde nur die Einheit der Palästinenser feierlich gewürdigt. Eigentlich hätten am Samstag im Gegenzug für sechs Geiseln über 600 Häftlinge freikommen sollen.

Israel hat libanesischen Angaben zufolge am Tag der geplanten Trauerfeier für den vor fünf Monaten getöteten Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah in Beirut Ziele im Südlibanon angegriffen. "Feindliche Flugzeuge haben zwei Angriffe auf das Gebiet zwischen Kleile und Sammaaija im Bezirk Tyros geflogen", berichtete die Nationale Nachrichtenagentur. Die Angriffe ereigneten sich demnach rund zehn Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt.

Israel hatte bereits am Samstagabend die Grenzregion zu Syrien und dem Libanon beschossen. Damit sollte nach Angaben der israelischen Armee verhindert werden, dass die Hisbollah-Miliz Waffen in den Libanon schmuggelt. 

Karte: Israel, Syrien, Libanon und Gazastreifen

Nach der Rückkehr von sechs Geiseln nach Israel hat die Hamas ein Video veröffentlicht, in dem zwei weitere Geiseln, Eviatar David und Guy Gilboa-Dalal, zu sehen sind. Beide beobachten dabei eine der Geisel-Übergaben.

Die am Samstag freigelassenen sechs Personen waren die letzten lebenden israelischen Gefangenen, die in der ersten Phase der Waffenruhe übergeben werden sollten. Die Übergabe der Leichen von vier getöteten israelischen Geiseln soll nächste Woche stattfinden.

Die für Samstag geplante Freilassung palästinensischer Gefangener ist nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten verschoben worden. Sie werde erst erfolgen, wenn die Freilassung der nächsten Geiseln gesichert sei, teilte Benjamin Netanjahu mit.

Nach der Übergabe von sechs Hamas-Geiseln verzögert sich die im Gegenzug geplante Freilassung palästinensischer Häftlinge. Im Zentrum Tel Avivs haben zahlreiche Menschen die Geisel-Freilassung verfolgt.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2025 um 09:15 Uhr.